
Die Szintigraphie
allgemeine Informationen für Kollegen
Synonym
- Szinti
Definition
- apparatives diagnostisches Verfahren der Nuklearmedizin mit Nutzung einer radioaktiven Substanz (Nuklid) als Strahlungsquelle mit einer bekannten Eigenschaft, welche in den Körper eingebracht (in-vivo-Diagnostik) und ein Strahlungsanteil mit neuen Eigenschaften außerhalb des Körpers durch Detektoren registriert wird (Baudisch 1988)
Voraussetzung
Aufklärung
- schriftliche Aufklärung bzw. Einweisung des Patienten
Pharmaka
- knochenaffine Stoffe wie markierte Diphosphonate, welche sich nach i.v. Gabe in ossären Geweben anreichern (z.B. Methylen-, Hydroxymethylen-, Ethylen-, Methanhydroxy- oder Dicarboxi-Diphosphonat),
- leucozytenaffine Stoffe wie markierte lipophile Verbindungen oder Antikörper (AK), welche sich nach i.v. Gabe in entzündlichen Geweben anreichern (Zitrat) oder an Leukozyten binden (z.B. HMPAO, Oxin, NCA 95®),
- kapillarpermeable Stoffe wie markierte Mikro- oder Nanokolloide, welche sich nach i.v. Gabe unspezifisch in entzündlichen und tumorösen Gewebe anreichern (z.B. Pertechnetat),
- muskelaffine Stoffe wie markierte Antimyosin-AK, welche sich nach i.v. Gabe in nekrotischem Muskelgewebe anreichern (z.B. Pyrophosphat)
Radionuklide
- Atomkerne, die ihre Stabilität verloren haben und
- bei Neutronenüberschuß in β--Teilchen und γ-Strahlung abgeben, wobei hier nach dem β-Zerfall Sekunden bis Jahre vergehen können, bis der Atomkern unter Abgabe von γ-Strahlung in den Grundzustand übergeht (99Mo bzw. metastabiles Kernisomer wie 99mTc oder 113Sn bzw. 113mIn)
- bei Protonenüberschuß in β+-Teilchen und Positronen, welche mit Elektronen in Wechselwirkung treten und zwei γ-Quanten zu je 511 keV frei werden (18F, 67Ga, 111In) zerfallen oder
- ein Elektron (meist K-Schale) einfangen, um dadurch ein Proton in ein Neutron umzuwandeln und durch das Nachrutschen eines Elektron von einer äußeren Schale K- bzw. Röntgenstrahlung zu emittieren (51Cr)
Geräte
- Kollimator, Szintillationszähler (Szintillator (fester (z.B. NaJ-Kristall) oder flüssiger (Toluol, Dioxan) Stoff, welche nach γ-Quanten-Einfall Lichtblitze bzw. Szintillationen abgeben), Impulshöhen-Analysator (innerhalb einer unteren und oberen Schwelle für das Nuklid charakteristische Impuls- bzw. Szintillationsspektrum) und Sekundärelektronenvervielfacher bzw. SEV (Elektroden aus der Photokathode lösen am Anodenwiderstand einen Spannungsimpuls aus)) und Linearverstärker)
Dokumentation
- EDV mit Hard- und Software
- Bildschirm zur Darstellung der ein- und zweidimensionalen Impuls- bzw. Szintillationsrate in Grau- und Farbstufen (Szintigramm)
- Drucker
- Qualitätssicherung durch jeden röntgenologisch tätigen und fachkundigen Arzt (§ 16 RöV vom 08.01.1987)
Ziel
- Suche nach "hot spots" und "cold lesions" des Stoffwechsels (Zippel 1996)
Indikation
- (vgl. Tab 1 S. 50 aus Büll und Bares 1992)
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Erkrankung |
Indikation |
Methode |
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Arthrose |
Stadieneinteilung |
Mehrphasenszintigraphie mit knochenaffinen und kapillarpermeable Stoffen |
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Ostitis, Arthritis |
Ausdehnung, Floridität |
Mehrphasenszintigraphie mit knochenaffinen und leukozytenaffinen Stoffen |
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Endoprothetik |
Lockerung |
Mehrphasenszintigraphie mit knochenaffinen und leukozytenaffinen Stoffen |
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Fraktur |
DD, Ausdehnung, Verlauf |
Mehrphasenszintigraphie mit knochenaffinen Stoffen (mehrmals) |
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Dystrophie |
Ausdehnung, Verlauf |
Mehrphasenszintigraphie mit knochenaffinen Stoffen (mehrmals) |
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Tumore |
Ausdehnung, Dignität, DD |
Mehrphasenszintigraphie mit knochenaffinen Stoffen |
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Metastasen |
L, Anzahl |
Ganzkörperszintigraphie mit knochenaffinen Stoffen |
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Osteopenie |
Stadieneinteilung, Umbauzonen |
Ganzkörperszintigraphie mit knochenaffinen Stoffen |
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Osteoporose |
Stadieneinteilung, Verlauf |
Osteoabsorptimetrie mit 37 Gbq 153Gd |
Kontraindikation
absolut
- Nichteinwilligung des ansprechbaren Patienten
relativ
- nichtkooperativer Patient (S, KK, psychiatrische Erkrankung)
- Schwangerschaft, Stillzeit
Technik
- Entkleidung und Lagerung des Patienten
- Legen eines i.v. Zugangs und Bereithalten der Notfallmedizin
- am Terminal Einstellung eines Programms nach i.v. Injektion des Radio-Pharmakons
- Maßnahmen zum Strahlenschutz (Abstandsgesetz)
Methoden
statische Szintigraphie
- einmalige und eindimensionale Registrierung mit Szintiscanner lokal oder als Ganzkörperszintigraphie 2-3 h postinjectionem
dynamische Szintigraphie
- ein- oder mehrmalige (in 2-3-Phasen) und zweidimensionale Registrierung mit Szintikamera intrainjectionem und 2-5 bzw. 60-240 min postinjectionem (Bildverstärkerkamera, Autofluoroskop, Funkenkamera, Anger-Kamera) lokal oder als Ganzkörperszintigraphie
Single-Photon-Emissions-Computer-Tomographie (SPECT)
- mehrmalige (im Verlauf) und dreidimensionale Registrierung
Literatur
- Baudisch E (1988) Grundlagen der Medizinischen Radiologie. Volk und Gesundheit, Berlin 326-48
- Büll U, Bares R (1992) Nuklearmedizinische Diagnostik. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 49-58
- Greenspan A (1993) Skelettradiologie. 2. neubearb. Aufl. Chapman & Hall, London Glasgow Weinheim NewYork Tokyo Melbourne Madras 22-5
- Zippel H (1996) Orthopädie systematisch. Uni-Med, Lorch 38




