Schmerztherapie

allgemeine Informationen für Patienten


  • Eigentlich ist jede Form der Linderung von Schmerzen als Schmerztherapie zu bezeichnen. So ergibt sich zwangsläufig eine Vielzahl von Möglichkeiten, den Schmerz zu reduzieren. Dazu zählen modernste schulmedizinische Verfahren mit chemischen und physikalischen Mitteln, empirische Methoden mit naturheilkundlichen Ansätzen sowie jede Form der seelischen Beeinflussung des Menschen.
  • Aus der Abstammungslehre weiß man, daß Lebewesen zur Schmerzlinderung unterschiedliche Verhaltensweisen von Ruhighalten über Ablecken bis zur Agressivität mit Äußerung von Lauten zeigen. Aufgrund der Entwicklung des Großhirns, in dem sich ja das Schmerzerlebnis als emotionaler Vorgang wiederspiegelt (Der Schmerz), fügt der Mensch neue physische und psychische Verhaltensweisen hinzu.
  • Zur Ausschaltung eines Schmerzerlebnisses dienen nur solche Methoden und Verfahren, die am Entstehen des Schmerzen ansetzen - zur Linderung dient alles, was auf dem Weg der Schmerzreizes zum Großhirn bzw. Schmerzgedächtnis einen positiven Einfluß hat.
  • Bei echten Unfällen wirken entweder ursächlich ansetzende Operationen oder chemische Mittel wie pharmazeutisch hergestellte Medikamente (so genannte Pharmaka, Pharmazeutika oder Arzneien) sowie aus der Natur gewonnene Drogen (Schmerzmittel), aber auch mechanische Methoden wie Ruhigstellung und Hochlagerung sowie physikalische Maßnahmen wie Kühlung (Kälte- bzw. Kryotherapie) durch Pusten, Ablecken und alles was kälter als die Haut (ca. 30°) ist und keine schmerzhaften Nebenwirkungen hervorruft.
  • Bei unechten Unfällen bzw. immer wieder kehrende Fehl- bzw. Überlastungen im Alltag, Beruf sowie Auseinandersetzungen mit der Schwerkraft der Erde sind die o.g. Maßnahmen oft nur kurz wirksam und durch andere Verfahren abzulösen. Dazu gehören primär die Aufklärung und Önderung der körperlichen Arbeits- und Lebensweise (von Frühsport, über Schul- und Freizeitsport, richtiges Sitzen am Computer bzw. Schreibtisch bis zum körperlichen Ausgleich durch Garten, Schwimmen, Radfahren, Wandern usw.) sowie sekundär die symptomatische Behandlung von Blockierungen (Chirotherapie bzw. Manualtherapie, Osteopathie bzw. craniosacrale Therapie), Fehlhaltungen (medizinisches Krafttraining bzw. Trainingstherapie (MKT bzw. MTT), die Krankengymnastik (KG), Gesundheitstraining und -schulen, Arbeits- bzw. Ergotherapie) und Verschleißerscheinungen (Ultraschall und Elektrotherapie, Wärme- bzw. Thermotherapie, Massage, örtliche Betäubung bzw. Lokalanästhesie, die Neuraltherapie, die Akupunktur), welche den Schmerz nur noch lindern.
  • Schließlich sind Schmerzerlebnisse nach Krankheit, Überlastung und psychischer Erregung von "Freud" bis Leid (Chronischer Schmerz und Schmerzkrankheit) nur noch über das Nervensystem zu lindern. Dies ist nur durch die Kombination von Aufklärung, Önderung der körperlichen Arbeits- und Lebensweise sowie chemische, physikalische, elektrische, reflektorische und v.a. mentale Verfahren (Psychotherapie) erreichbar. Neben Morphium (Morphine), Naturprodukten, Wärme, Ultraschall, Massage, Strom, Betäubungsmittel, Neuraltherapie, Akupunktur, Laser, Magnetfeld sind es v.a. Gelenk- und Rückenschulungen, ambulanter Rehabilitationssport bzw. Funktionstraining, Fitneßtraining, Behindertensport, Osteoporosegruppen, Kuren sowie Gesprächs-, Verhaltens-, Entspannungstherapie, Relaxation, autogenes Training, Biofeedback und Hypnose, die den erlernten Schmerz vergessen lassen.

spezielle Informationen für Kollegen


Synonym

  • Analgesie
  • Hypalgesie

Definition

  • jede Form einer therapeutischen Handlung zur Linderung eines Schmerzerlebnisses

Voraussetzung

Indikation

  • jeder Schmerz bzw. jedes Schmerzerlebnis

Kontraindikation

  • praktisch keine

Ziel

  • Linderung des Schmerzerlebnisses und deren Begleitumstände sowie Vermeidung einer Chronifizierung

Technik

psychologisch

  • Aufklärung, Gesprächs-, (kognitive) Verhaltens-, Entspannungstherapie, Relaxation, autogenes Training, Biofeedback und Hypnose

chemisch

physikalisch

andere

Methoden


Psychotherapie

  • "der Erstkontakt des weißen Kittels" einschl. Gesprächsführung
  • je nach Ursache, Dauer und Erfolg Gesprächs- und (kognitive) Verhaltenstherapie
  • Biofeedback
  • autogenes Training
  • Entspannungstherapie (Eutonie nach G. Alexander, Konzept nach Feldenkrais, Konzept nach F. M. Alexander, progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Lösungs- und Atemtherapie nach Schaarschuh und Haase u.a.)
  • Hypnose

Pharmakotherapie

  • abschwellende, entsäuernde und Gichtmittel
  • Schmerztherapie nach Empfehlung der WHO mit stufenweiser Anwendung von Schmerzmittel bzw. Analgetika (Schmerzmittel) wie Nicht-Morphine, Rheumamittel bzw. Antirheumatika, Morphine und so genannte Ergänzungsmittel wie abschwellende Mittel bzw. Antiphlogistika (abschwellende Mittel), Muskelentspannungsmittel bzw. Myotonolytika bzw. Spasmolytika (Parasympathikushemmer, Sympathikushemmer), Glucocorticoide bzw. Kortison und andere Hormone
  • so genannte Nervenmittel wie Antidepressiva, (nicht)selektive Serotonin- und/oder Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI, SNRI, NARI), Antiepileptika, Kanal-Blocker usw.
  • therapeutische Lokalanästhesie bzw. TLA oder Neuraltherapie mit Betäubungsmitteln bzw. Lokalanästhetika, (Procain) in freier Technik oder röntgenassistiert und kontrolliert (periradikuläre Therapie und Facettendenervierung) oder mit Morphinen, welche durch Schmerzpumpen, deren Katheder im Gewebe, am Nerv, Rückenmark bzw. in der Hirnkammern platziert wurden, kontinuierlich oder patientenkontrolliert arbeiten
  • klassische Physiotherapie

    • Wärmetherapie mit Lehm, Fango, Parafango, Pelose, Moor, Schlamm, Schlick u.a. Peloide, heiße Rolle und Infra-Rotlicht, alle Wasseranwendungen >35 °C und Hochfrequenztherapie (Ultraschall und Elektrotherapie)
    • Kältetherapie mit Chlorethyl-Spray, Eischips, -beutel, -kompressen, Gel-Kompressen, Peloide, Tücher, Auflagen und Verbände bzw. Kühlsystem (als Langzeit-Kältetherapie), in Kaltluft- und Stickstoff-Kammern bei akutem Schub einer Erkrankung des rheumatischen Formenkreises (als systemische Kältetherapie) bzw. vor und nach Mobilisationen bzw. als Eismassage (Manualtherapie bzw. manuelle Medizin (MT bzw. MM))
    • Ultraschall und Elektrotherapie außer elektrische Nerven- oder Muskelstimulation bzw. EMS
    • Extensionen und Schlingentisch
    • Formen der Manualtherapie nach Maitland, nach Kaltenborn, nach Cyriax,
    • Bewegungstherapie bzw. Krankengymnastik wie Selbsthilfe nach Mackenzie, Stemmführung bzw. -übung nach Brunkow

    physikochemische Prävention und Metaphylaxe

    • präventive, medizinische und rehabilitative Rücken- und Gelenkschulen
    • ambulanter Rehabilitationssport bzw. Funktionstraining
    • ambulante und stationäre Anschlußheilbehandlung, Rehabilitation bzw. Heilverfahren bzw. Kuren

    moderne Techniken

    empirische bzw. komplementäre Naturheilverfahren

    Vorbeuge

    • präventive, medizinische und rehabilitative Rücken- und Gelenkschulen
    • ambulanter Rehabilitationssport bzw. Funktionstraining
    • ambulante und stationäre Anschlußheilbehandlung, Rehabilitation bzw. Heilverfahren bzw. Kuren
    Der Erfolg einer Schmerztherapie hängt vom sozialen Krankheitsgewinn des Patienten, von der Diagnostik aus bio-psycho-sozialer und nicht apparativer Sicht, vom multimodalen Ansatz der Therapieverfahren mit ihren Techniken bzw. Methoden und der Kostenübernahme durch die Versicherungen ab.

Literatur

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  18. Soyka M, Meholm D (2000) Physiotherapie bei Wirbelsäulenerkrankungen. Urban & Fischer, München Jena 41-174
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben