Knochenbruchbehandlung bzw. Osteosynthese
allgemeine Informationen für Patienten
- Die operative Knochenbruchbehandlung wird als Osteosynthese bezeichnet. Dabei werden im Rahmen einer Operation die Bruchflächen der Knochenteile bzw. -splitter aneinandergeführt und unter Nutzung von Drähten, Nägeln, Schrauben, Platten u.a. Implantaten miteinander befestigt.
- Nach krankheitsbedingter Durchtrennung des Knochens (Unfall, Knochenbruch, Knochenkrebs) benötigt dieser eine Ruhigstellung, damit die Bruchteile wieder zusammenwachsen können (Knochenbildung und -heilung).
- Da die alleinige Gipsbehandlung (Redressionsverband) dies nicht immer garantiert (zu große Wackelbewegungen bzw. verschobene Knochenenden) und weitere Risiken wie Durchblutungsstörungen mit Hautschäden (Polytrauma) auftreten können, verschafft die Osteosynthese die Möglichkeit der schnelleren Heilung (wird heuer immer wichtiger) und früheren Belastung des Knochens. Das erspart Schmerzen bzw. Schmerzmittel, Thrombose und Embolie bzw. Blutverdünner sowie Zeit und Kosten für die Nachbehandlung.
- Natürlich muß man die allgemeinen und speziellen Risiken einer Operation berücksichtigen.
- Die Rehabilitation macht erst nach Gipsabnahme bzw. mit erlaubter Belastung des Knochens Sinn. Sie hat das Ziel, den Patienten mit Bandagen, Hilfsmitteln, Schuhen und Medikamenten zu versorgen bzw. durch Bewegungstherapie und Krankengymnastik Komplikationen (Muskeldysbalance, Muskelverkürzung, Muskelschwäche, Muskelriß, Gelenkentzündung, Gelenksteife, Chronischer Schmerz und Schmerzkrankheit) zu vermeiden, arbeitsfähig zu werden bzw. den Alltag zu meistern.
allgemeine Informationen für Kollegen
Synonym
- OS
- operative Frakturbehandlung
- operative Knochenverbindung (Zippel 1996)
Definition
- Die orthopädisch-unfallchirurgische Operation
- nach Kontinuitätsdurchtrennung des Knochen Wiederherstellung der knöchernen Anatomie und Belastbarkeit durch Fixation der Fragmente mit fixierenden und stabilisierenden temporären bzw. Kurzzeitimplantaten
Voraussetzung
Implantate
Einteilung
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fixierende und stabilisierende
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Auffüllende und überbrückende
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ersetzende Implantate
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temporäre bzw. Kurzzeitimplantate
-
permanente bzw. Langzeitimplantate
Platte
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als Halb-, Drittel- sowie Viertel-Rohr-, Rekonstruktions- bzw. Reko-, DC- bzw. dynamic compression-, LCDC- bzw. low contact dynamic compression-, Winkel-, Kondylen-, Abstütz-, L-, T-, H-, Kleeblatt-, Kobra-, Kalka-neus-, Gelenkplatte (2 ineinanderhakende Platten), Hakenplatte nach Magerl, Burri-, Dreithaler-, Balser-, Rüssel- oder Wolter-Platte)
Schraube
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als Kortikalis-, Spongiosa-, Malleolar-Schraube, Bosworth-Schraube, mit langem oder kurzem Gewinde, hohlgebohrt, z.B. Schanz-Schraube auch im Rahmen eines äußeren Fixateur (z.B. Fixateur nach Hoffmann, nach Anderson, nach Wagner sowie Fixateur externe nach AO als Klammer- oder Zeltkonstruktion), zwei und mehr Gewindeformen, z.B. Herbert-Schraube, Hau-Schraube)
Bolzen und Nagel
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als transossärer Fixier-Nagel, z.B. Steinmann-Nagel auch im Rahmen eines äußeren Fixateur (z.B. Fixateur nach Charnley sowie Fixateur externe nach AO als Rahmenkonstruktion), als intramedullärer Verriegelungs- oder Bündel-Nagel z.b. nach Hackethal mit unterschiedlichen Einschlag- und Zielvorrichtungen bzw. Fi-xiermöglichkeiten, z.B. Rush- (Gelbke)-pin, Laschen-, Küntscher-, Prévot-, Seidel-, Russel-Taylor-, Ender-, Lezius-Nagel)
Draht und Bänder
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als starren interfragmentären oder intramedullüren Bohr-Draht mit und ohne Gewinde, z.B. Kirschner-Draht, als semiflexiblen transossären Bohr-Draht auch im Rahmen eines äußeren Fixateur (z.B. Fixateur nach Greifensteiner, nach DeBastiani, nach Ilisarow) oder einer Draht-Extension, als flexiblen Flecht-Draht für Zuggurtung oder Cerclage)
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als Band-Cerclage
Anker, Klammer, Krampe und staple
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zahlreiche Anker für Reinsertionen von Kapseln, Bänder und Sehnen im Knochen, Blount-Klammer, Shapiro-Staple
Kombinationen
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als dynamische Condylen-Schraube (DCS), dynamische Hüft-Schraube (DHC), compressions-hip-screw (CHS), Hüftkompressionsschraube (HKS), Martin-Schraube, intramedulläre Hüftschraube (IMHS), Femur-Kopf-Schraube (kurz oder lang) bzw. Gamma-Nagel
Fixateur intern
nach
Kluger
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USS (universal spine system)
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LISS (less intern stabilization system)
Clips
Körbchen
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MoSS®-Körbchen nach Harms
Endoprothesen
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als Hüft-, Knie-, Sprung-, Zehen-, Schulter-, Ellenbogen-, Hand und Finger-Gelenk-EP in Form von Total-, Hemi- oder Schlitten-EP, als Kugel-, Scharnier-, Gleitachsen- oder Schlitten-Gelenk, mit und ohne Zement, mit Inlay aus Polyethylen oder Keramik
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in unterschiedlichen Größen und Formen bzw. custom-mode oder Individual-Prothese
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Beschichtung mit Titan-Plasma oder mit Hydroxylappatit
Knochenzement
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aus Polymethylmatacrylat (Plexiglas)
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Palacos ®
resorbierbare Materialien
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Nägel, Pfeile, zahlreiche Anker für Reinsertionen von Menisken, Schrauben, Bänder, Kordel
Ziel
- Wiederherstellung der Anatomie eines Knochens und Belastbarkeit einer Körperregion
Indikation
- Notfall (sofort) bei lebensbedrohlichen Begleitverletzungen stehen die Vitalfunktionen im Vordergrund (z.B. Hirn, Thorax und Abdomen)
- dringlich (<6h) bei schwerwiegenden Begleitverletzungen (z.B. Frakturen des Schädels mit Compressio, der WS mit Querschnittssyndrom, des Thorax und des Beckens mit Organblutungen), bei hohem Blutverlust (z.B. Frakturen des Beckens und des Femur) Epiphyseolysis capitis femoris acuta (ECFA) im Kindes- und Wachstumsalter, Frakturen mit Gefäß-Nervenbeteiligung
- bedingt dringlich (Tage) bei Frakturen mit Gelenkbeteiligung, Frakturen langer Röhrenknochen
- elektiv (Wahleingriff) bei Versagen operativer und konservativer Techniken
- palliativ (cave: Lebensqualität) bei Krankheiten mit infauster Prognose und o.g. Komplikationen
- wenn im Vergleich zur konservativen Behandlung Sinn, Dauer, Prognose und Kosten günstiger sind
Kontraindikation
Technik
- Adaptation durch Spickung (Draht), Fesselung (Cerclage), intramedulläre Schienung (Nagel), Fixateur externe (Ringsystem)
- Fixation durch Spickung (Draht), Fesselung (Cerclage), Verbindung (Schraube und Platte), intramedulläre Verriegelung (Nagel), Fixateur interne und externe (alle Systeme)
- Distraktion durch Verbindung (Platte und Schraube), intramedulläre Verriegelung (Nagel), Fixateur interne und externe (nur mit Schrauben oder Nägel)
- Kompression durch dynamische Fesselung (Cerclage bzw. Zuggurtung), Verbindung (Kompressionsplatte und Zugschraube), intramedulläre dynamische Verriegelung (Nagel), Fixateur interne und externe (entweder statisch mit Schrauben und Nägeln oder dynamisch mit Drähten)
- Fragmentadaptation, -fixation, -distraktion und -kompression mit Aufbau-Plastik bei Defekt durch autologe (eigener), allogene (fremder) und xenogene (tierischer Knochen) Transplantation von spongiösem oder kortikospongiösem Knochen bzw. auffüllende und überbrückende sowie ersetzende permanente bzw. Langzeit-Implantate
Methoden
- instabile, lagerungs-, bewegungs-, übungs- und belastungsstabile OS
- interne OS
- externe OS
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(Röntgen-Bild der linken Hüftregion in 2 Ebenen bei einem 66-jährigen männlichen Patienten nach Leitersturz mit Oberschenkelhalsbruch 3 Wochen nach interner Osteosynthese mit Hilfe von 3 Schrauben) |
Literatur
- Rüter A (1992) Frakturen. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 238-55
- Zippel H (1996) Orthopädie systematisch. Uni-Med, Lorch 61-75