
Gelenkverschleiß bzw. Arthrose
allgemeine Informationen für Patienten
- Gelenkverschleiß bzw. Arthrose findet man bei jedem Menschen. Sie ist die häufigste Gelenkerkrankung. Sie ist nie angeboren. Dabei kann jedes Gelenk ab Mitte 30 verschleißen bzw. eine langsam (über Jahre) fortschreitende Zerstörung des Knorpels, einer Knorpelweiche aufweisen.
- Die Ursache wird Präarthrose genannt und kann eine angeboren oder erworbene Fehlstellung der Knochen im Gelenk, eine Kapsel- oder Bandlockerung, eine Verrenkung, ein Knochenbruch mit Knorpelbeteiligung , ein Knorpel- oder Meniskusriss, eine Einblutung, eine Entzündung oder eine Ernährungsstörung, die Gicht, Zuckerkrankheit, oder arterielle Verschlußkrankheit sein. Zu oft wird keine Ursache gefunden.
- Das alles entscheidende Röntgen kommt oft zu spät oder ist ein so genannter Zufallsbefund. Denn nicht immer tut ein Verschleiß weh. Andererseits werden die Beschwerden bei noch unauffälligem Röntgen nicht ernst genug genommen. Dann helfen nur die ausführliche Krankengeschichte zur Erörterung der Schmerzen sowie eine gründliche Untersuchung. Labor-Untersuchungen dienen nur der Suche nach Präarthrosen.
- Bei der Vorsorge und Behandlung spielen die Muskulatur und die Durchblutung bzw. der Stoffwechsel eine entscheidende Rolle. Neben der innerlichen und äußerliche Wärmezufuhr über Getränke, Rotlicht, Heizkissen usw. und nicht über Salben, denn diese entziehen die Wärme aus dem Inneren und der ausreichenden Wasserzufuhr des Körpers bei fettarmer Kost mit Basen (Ernährung, Die orthomolekulare Medizin, Das Wasser) und Knorpelmitteln sind die tägliche häusliche Gymnastik, die Gelenkschule, der Sport ohne Hebel und Stoßkräfte und noch besser Krafttraining an Geräten (, Die Krankengymnastik (KG), Gesundheitstraining und -schulen) entscheidend. Parallel kann jede Schmerztherapie mit physikalischen (Elektrotherapie und Ultraschall, Die Massage, Die Chirotherapie), medikamentösen (Schmerzmittel, örtliche Betäubung bzw. Lokalanästhesie) und alternativen Maßnahmen (Die Akupunktur, Die Neuraltherapie) helfen. Neben korrigierenden Knochenoperationen, diversen Gelenkspiegelungen und -spülungen sowie den noch nicht erfolgreichen Knorpeltransplantationen ist das künstliche Gelenk momentan die beste operative Lösung.
spezielle Informationen für Kollegen
Synonym
- Gelenkverschleiß
ICD-10
- M15.0-4,8-9 (Poly-)
- M16.0-7,9 (Kox-)
- M17.0-5,9 (Gon-)
- M18.0-5,9 (Rhiz-)
- M19.0-2,8-9 (sonstige)
Definition
- langsam fortschreitende Gelenkdestruktion, welche alle Gelenkanteile befällt, wobei die irreparable Knorpelläsion den pathogenetischen Ausgangspunkt und sklerosierende, zystische und deformierende Knochenprozesse den Endzustand darstellen (Hackenbroch 1986)
Häufigkeit
- häufigste Gelenkerkrankung
- bei Patienten mittleren Alters
Ätiologie
- zwar nie angeboren, jedoch Disposition möglich
- immer erworben
- meist auf dem Boden definierbarer Ursachen (Präarthrosen)
- seltener ideopathisch
Risiko
- nach Hackenbroch (1943) werden als Präarthrosen Form- und Funktionsstörungen, die durch Gelenkinkongruenzen mit unphysiologischen Druckverteilung bzw. enzymatischen Degradation zu einer Änderung der Gelenkmechanik bzw. des -stoffwechsels führen, bezeichnet
- z.B. Fehlstellungen der Achse, Kapsel-Band-Instabilitäten, traumatische Läsionen des Knorpels und Kapsel-Band-Apparates nach Frakturen, Luxationen, Distorsionen und Kontusionen, gelenknahe Osteonekrosen sowie Knorpelzerstörungen nach Häm- und Pyarthros bzw. bei entzündlichen Gelenkerkrankungen, bei metabolischen und neurogenen Grunderkrankungen (Diabetes mellitus, Gicht u.a.) sowie bei Durchblutungsstörungen (Hackenbroch 1986, Bullough und Vigorita 1987)
- Bei der nach dem 60. Lebensjahr auftretenden primären Arthrosis deformans spielen Überlastung (Adipositas, stehende Berufe, Sport) sowie ungeklärte genetische Faktoren (familiäre Häufung) eine Rolle (Hohmann 1948, Mau und Mau 1961, Hackenbroch 1986, Bullough und Vigorita 1987).
Pathogenese
- Knorpelläsion in der Belastungszone (Einführung in sportliche Leistungsfähigkeit, Gelenkverletzung bzw. Luxation, Der Unfall)
- Knorpeldetritus
- Synovialitis durch Einstrom von Monozyten, Makrophagen, B- und T-Zellen sowie Produktion von Interleukin 1 und 6 bzw. TNF alpha (Aktivierung Cyclooxigenase 2 und Produktion von Prostaglandinen) mit erneut knorpelschädigender Ergussbildung und Dehnung des Kapsel-Band-Apparates (Die Synovialitis)
- druckinduzierte Aktivierung der Osteoblasten und subchondrale Sklerosierung, welche wegen der Unfähigkeit der Pufferung zugleich Ursache für weitere Knorpelläsionen ist
- randständige Osteophytenbildung zur Druckverteilung mit eintretender Deformierung und Beteiligung der Sehnen und Muskeln (Hohmann 1948, Hackenbroch 1986)
- zystische subchondrale Knochendefekte bzw. so genannte Geröll-Zysten
Formen
- latente Arthrose
- kompensierte Arthrose
- aktivierte Arthrose (Die Synovialitis)
- dekompensierte Arthrose
Lokalisation
- WS
- Finger
- KG
- HG
- Fuß
- OSG
- RKG
- Schulter
Symptomatik
- bis zu 40% asymptomatisch (Holder et al. 2012)
- unbestimmte Schmerzzustände, welche zunächst belastungs-, temperatur- und wetterabhängig (Anlauf-, Belastungs- und Ermüdungsschmerz) und schließlich refraktär (Ruhe-, Nacht- und Dauerschmerz) sind (ABERND)
- Ausmaß einer Entzündung korreliert mit Schmerz (Holder et al. 2012)
- Das betroffene Gelenk versteift mit den Jahren, wird aber kaum selbst knöchern fest (Debrunner 1995)
Diagnostik
Status
Messung
- Neutral-Null-Methode (NNM)
Radiologie
Röntgen- immer (zur Beurteilung der präarthrotischen Deformität, Gelenkspaltverschmälerung, subchondrale Sklerose, Zysten, marginale Osteophyten und Schilflächen)
Therapie
symptomatisch
konservativ
- medikamentös durch NSAR und Kortikoide (aktivierte Arthrose) und Analgetika (dekompensierte Arthrose) entzündungshemmend und schmerzlindernd (Hackenbroch 1986, Bach und Gräfenstein 1996)
- nicht zu unterschätzende Rolle spielen Vitamine und Enzyme bei der Bindung hochtoxischer Radikale und Mediatoren (Gräfenstein 1996)
- über Anregung der Kollagen- und Proteoglycansynthese sollen Chondroprotektiva ihre Langzeitwirkung entfalten (Bach 1996)
- schließlich sollen noch Myotonolytika, Psychopharmaka und Phytotherapeutika erwähnt werden (Bach und Gräfenstein 1996)
- Medikamente können dabei systemisch (oral, als Suppositorium und parenteral) oder topisch (perkutane Wirkung von NSAR, Kortikoiden und Phytotherapeutika und neuraltherapeutische Injektion von Lokalanästhetika) zur Anwendung kommen. Eine weitere Applikationsform ist die intraartikuläre Injektion von Lokalanästhetika und Kortikoiden zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung (Gräfenstein 1996)
- zusätzlich kann durch optimale Diät sowie medikamentöse Dauertherapie eine metabolische Arthropathie (z.B. bei Stoffwechselerkrankung und Osteopenie) prophylaktisch behandelt werden
- eine der wichtigsten Säulen der konservativen Behandlung ist die Bewegungstherapie, wegen der Belastungsinsuffizienz und zunehmenden Fehlstatik eine Förderung des dynamischen Elements, der Muskulatur wichtig. Der Circulus vitiosus "Schmerz - Bewegungseinschränkung - Muskelatrophie - Gelenkinstabilität - Schmerz ..." muss unterbrochen werden. Dabei werden passiv (Manipulationen, Mobilisationen, Extensionen, Traktionen und Massierung), aktiv (Gymnastik, Dehnungs- und Spannungsübungen) und speziell (PNF nach Kabat-Knott und Voss, Methoden nach Brügger) stereotype und neurophysiologische Bewegungsmuster geschult, nichtknöcherne Bewegungseinschränkungen beseitigt und Muskeln gekräftigt
- Hydrotherapie beinhaltet die Anwendung von Wärme (Thermotherapie) in Form von Saunen, Dampf- und Wasserbädern, Kompressen, heißen Rollen, Aufschlägen sowie Peloid-, Moor- und Fangopackungen zur Hyperämisierung, Stoffwechselsteigerung und Muskelrelaxation sowie Kälte (Kryotherapie) in Form von Güssen, Wickel, Umschlägen und Packungen zur Analgesie, Entzündungshemmung, Abschwellung sowie reaktiven Hyperämie
- Elektrotherapie ist die Behandlung mittels Gleichstrom (Galvanisation, hydroelektrisches Teil- und Vollbad nach Stanger, Iontophorese), niederfrequentem und mittelfrequentem Impuls- und Wechselstrom (Reizstrom nach Träbert, dynamischer Strom nach Bernard, Interferenzstrom nach Nemec und TENS) sowie Hochfrequenzstrom (Kurz- und Mikrowelle) mit dem Ziel der Detonisierung, Relaxation, Analgesie bzw. Aktivierung, Hyperämie und Regeneration der Nerven, Muskeln und bindegewebigen Strukturen
- Ziele und Indikationen der Ultraschalltherapie, einer Vibrationsmassage des Bindegewebes mittels Dauer-, Impulsschall und Phonophorese, sowie der Massage (Klassische, Bindegewebs-, Unterwasserdruckstrahl-, Fußreflexzonenmassage und Lymphdrainage) sind mit den zuvorgenannten Maßnahmen vergleichbar. Es sollen eine Verbesserung der Trophik, Durchblutung, Detonisierung der Muskulatur und Schmerzreduktion erreicht werden (Hirsch 1996).
- Bei degenerativen Erkrankungen der Gelenke des Fußes, des Beines und der WS ist eine Reduzierung der Stauchungs- und Bewegungsbeanspruchung durch eine adäquate Schuh- und Einlagenversorgung zu erreichen. Stauchungen werden dabei mit entsprechenden Absätzen und weichen Böden abgefangen (Regenspurger 1975)
Literatur
- Bullough PG, Vigorita VJ (1987) Orthopädische Krankheitsbilder. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 77-186
- Debrunner AM (1995) Orthopädie. 3. vollst. überarb. Aufl. Hans Huber, Bern Göttingen Toronto Seattle 64-73, 512-9
- Dihlmann W (1987) Gelenke- Wirbelverbindungen. 3. überarb. und erw. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 41-6
- Hackenbroch MH (1986) Periphere Arthrosen. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 638-44
- Holder M, Schöniger A, Rehart S, Kern PM (2012) Der entzündliche Aspekt bei degenerativer Gelenkerkrankung. arthritis+rheuma 1/12: 7-11
- Hohmann G (1948) Fuß und Bein. 4. Aufl. von J. F. Bergmann, München 1-31, 38-145, 209- 45, 337-50, 387-406
- Mau C, Mau H (1961) Degenerative Erkrankungen des Fußes. In Hohmann G, Hackenbroch M, Lindemann K (Hrsg.) Handbuch der Orthopädie. Bd. IV/2. Georg Thieme, Stuttgart 923-97





