Störung der Haltung

allgemeine Informationen für Patienten


  • Die Störung der Haltung wird auch Haltungsschwäche, Haltungsstörung, Haltungsfehler oder Fehlhaltung genannt.
  • Die Abweichung der normalen Haltung ist Ausdruck der seelischen, energetischen, reflektorischen und körperlichen Verfassung, wobei es fließende Übergänge von normaler Haltung bis zum "Buckel" gibt.
  • Diese Störung nimmt im Gegensatz zum echten Rundrücken, welcher durch "echte" Krankheiten hervorgerufen wird, stetig zu. Bei den seelischen Einflüssen sind es v.a. kindlicher Streß in Familie und Schule, bei den energetischen alle Krankheiten der inneren Organe (Das Störfeld), bei den reflektorischen alle neuromuskulären Dysbalancen von Fehlbewegungen der Schädelnähte, über alle Bißstörungen bis zu "Plattfüßen" und bei den körperlichen abgeschwächte bzw. verkürzte Muskeln mit vorgeschobenem Kopf und angehobenem Kinn durch verkürzte Nackenmuskeln, nach vorn und unten gekippten Schultern durch verkürzte Brustmuskeln und erschlaffte Schulterblattmuskeln, nach vorn gekipptem Becken mit vorgewölbtem Bauch durch ab-geschwächten Bauch-, verkürzte Rücken- und Hüftbeugemuskeln (Muskeldysbalance). Als Risi-kofaktoren spielen nicht nur die Frühgeburt, eine Ver-dauungsstörung sowie hormonelle Dysbalancen, sondern t das "Sitzen" vorm Fernseher, im Auto, in Schule und Beruf (PC), in Kultur und bald auch beim Einkaufen eine sehr große Rolle zu spielen. Dagegen nehmen die Wege, die zurückzulegen sind sowie der Sport immer mehr ab.
  • Die körperliche Untersuchung wird durch zahlreiche Tests ergänzt. Durch Röntgen u.ä. fotografische Aufnahmen können keine Ursachen ermittelt werden. Hier sind Oberflächenmessungen (z.B. Triflexometer) und Muskeltests, welche häufiger kontrolliert werden können, gefragt.
  • Die Behandlung dieses bio-psycho-sozialen Krankheitsmodells besteht aus biologischer Ausschaltung von Störquellen und gezielte Aktivierung und Kräftigung von betroffenen Muskeln (Das Störfeld, AK und manuelle Medizin, AK und Biss, AK und Störfeld), psychologische Bearbeitung sämtlicher Konflikte und soziales Engagement in Form von
  1. Aufklärung (Pädagogen und Ärzte in Kindergärten und Schulen)
  2. Motivation zur Wahrnehmung, zur Vorbeugung und zur Behandlung (Pädagogen (v.a. Sportlehrer), Trainer, Eltern und Familie in Unterricht und Freizeit)
  3. Schulung, Praktika, Training (Eltern, Sportlehrer und Trainer in Familie, Gemeinschaft, Verein usw.)
  4. Kontrolle (Erwachsene und Ärzte mit der entsprechenden Ausbildung)
  5. Korrektur (jeder Therapeut, welcher eine oder mehrere Ursachen nicht nur findet, sondern auch beseitigen kann)
  • Jeder Mensch ist frei, sobald er die Einsicht in die Notwendigkeit, etwas für seine aufrechte Haltung zutun, verinnerlicht hat.

spezielle Informationen für Kollegen


Synonym

  • Haltungsschwäche, Haltungsstörung, Haltungsfehler, Fehlhaltung bzw. posturale Kyphose (Bauer und Kerschbaumer 1992)

Definition

  • nicht fixierte Abweichung der normalen Haltung nach Schede (1954)
  • Gesamteindruck des frei aufrechtstehenden Menschen und nach Jentschura (1977)
  • Ausdruck seiner seelischen und körperlichen Verfassung (Debrunner und Hepp 1994) mit sternosymphysaler Annäherung nach Brügger

Einteilung

  • habituelle (Lot über Kreuzbein), schlaffe (Lot hinterm Kreuzbein) bzw. aktive Haltung (Lot vorm Kreuzbein) (Debrunner und Hepp 1994)
  • Haltungsschwäche, Haltungsfehler sowie Haltungsdeformität (Wolff und Zilch 1989)
  • Haltungsfehler und Haltungsschaden (Bauer und Kerschbaumer 1992)
  • (vgl. Haltungssystem nach Wagenhäuser 1973 Tab. 8.1a S. 63 aus Debrunnerund Hepp 1994)

Formen des Rückenprofils


nach Schede
  • (vgl. Bauer und Kerschbaumer 1992)
nach Staffel (1889)
  • (vgl. et al. 1993)
nach Stagnara
  • (vgl. Debrunner und Hepp 1994)
nach Junghans
  • (vgl. Soyka und Meholm 2000)
  1. totaler Rundrücken (Hyperkyphose B+LWS)
  2. Rundrücken (Hyperkyphose BWS)
  3. Hohlrundrücken (Hyperkyphose B+ Hyperlordose LWS)
  4. Hohlrücken (Hyperlordose LWS)
  5. Flachrücken (abgeflachte Kyphose B+ Lordose LWS)

Häufigkeit

  • fließender Übergang von normaler und abweichender Haltung bzw. posturaler Kyphose
    • immer häufiger
    Risiko
    • Hüftdysplasie mit Instabilität und Beckenkippung (meist nach ventral)
    • Störungen des gesamten Atmungssystems (einschl. Frühgeburt mit Surfactant-Mangel) beim Rundrücken
    • Verdauungsstörungen und abdominelles Übergewicht beim Hohlkreuz
    • Bissstörungen
    • Mangel an Aufklärung (Eltern, Pädagogen), an Motivation (Bildung, Gruppe), an Schulung (Pädagogen), an Aktivierung (Freizeit), an Training (Sport) und an Kontrolle (Eltern, Pädagogen, Gruppe) über Haltung, Haltungsschäden und Komplikationen
    • "optische" Gesellschaft mit zu viel Bildschirmen und sitzenden Arbeitsplätzen
    • Disstress und negative Emotionalität mit Ermüdung, Erschöpfung usw.
    • Störfelder (von Geburtsstress, Narben, genetischen und erworbenen Läsionen und jedes Trauma…)

    Ätiologie


    physische Faktoren psychische Faktoren
    • seelischer Disstress bzw. Disharmonie, Schmerz, Müdigkeit, Sorge, Angst, Depression, Trauer, Leid, Not

    Pathogenese

    • ZNS (alle Bereiche einschl. Kortex, Subkortex, Stammganglien, limbisches System, Hypothalamus, Hirnstamm, Kleinhirn usw. ) und Vegetativum (Einführung in neurologische Erkrankungen des Bewegungssystems) nehmen wahr, verarbeiten und reagieren sofort (Regulation), später bzw. angepasst (Adaptation) bzw. chronisch und reparativ (Kompensation) über Ort und Art der synaptischen Impulse und damit einer Änderungen des Tonus im Gewebe (v.a. natürlich glatte und quergestreifte Muskeln)
    • Durasystem und Biss- bzw. craniomandibuläres und -sacrales System beeinflussen über Rezeptoren den Input ins ZNS und Vegetativum?
    • gesamte Muskulatur verändert sich reaktiv und adaptiv (z.B. herabgesetzter Tonus der Mm. ventrales capitis, rhomboidei, pars inferior m. trapezius, latissimus dorsi, rectus abdominis, erector spinae et glutei sowie erhöhter Tonus mit Verkürzung der Mm. suboccipitales, pectorales, pars superior m. trapezius, rectus femoris, iliopsoas, ischiocrurales et triceps surae (Der Muskel, Muskeldysbalance, Muskelschwäche bzw. Myopathie)
    • parallel viscerale (osteopathische) Läsion (z.B. Darm und Hyperlordose LWS bzw. Hohlkreuz) sowie dentale Läsion (Das Störfeld) möglich?
    • Fußwölbung und Beckenkonfiguration (von Asymmetrie über Verwringungen, bis Störungen der Konfiguration und des Flair) ohne Deformitäten?

    Lokalisation

    • meist BWS und/oder LWS

    Klinik


    normale Haltung
    • erhobener Kopf, eingezogener Bauch, leicht vorgeschobener Brustkorb und zurückgenommene Schultern (Wolff und Zilch 1989)
    • als eine Leistung bzw. Leistungsbereitschaft der Muskulatur (Zippe l 1996)
    Haltungsstörung
    • vorgeschobener Kopf und angehobenes Kinn, Hyperlordose des OCÜ bei verkürzten Nackenmuskeln (Mm. suboccipitales)
    • Hyperkyphose des oberen BWS und des CTÜ, nach vorn und unten gekippte Schultern bei verkürzten Brustmuskeln (Mm. pectorales) und erschlafften Schulterblattmuskeln (Mm. rhomboidei)
    • Exspirationsstellung des Thorax mit Senkung des Sternum bei erschlafften Rückenmuskeln (M. erector spinae)
    • vorgewölbtes Abdomen bei erschlafften Bauchmuskeln (M. rectus abdominis) und verkürzten Rückenmuskeln (Mm. quadratus lumborum et erector spinae)
    • verspannte Hüft- und Kniebeuger (Mm. iliopsoas, rectus femoris et ischiocrurales)

    Diagnostik


    Status
    Inspektion
    • Habitus, Torticollis, Schulterstand, Scapula alata, Rippenbuckel, Taillendreieck, Lendenwulst, seitliche bzw. skoliotische Abweichung der WS (Lot), Rückenprofil nach Schede, nach Staffel, nach Stagnara oder nach Junghans, Becken(schief)stand, -kippung bzw. -verwringung, Michaelis-Raute, Beinachse und -torsion,
    Test
    • Haltungs- bzw. Armvorhaltetest nach Matthiass (30 sec)
    • Haltungstest nach Schober (aufrechtes Sitzen mit Lordose (Haltungsschwäche) oder Kyphose (Haltungsdeformität)
    • Kieler Leistungstest (Rumpf heben und halten aus Rücken- und Bauchlage)
    • Haltung nach Gesichtspunkten der applied kinesiology (www.daegak.de)

    Differentialdiagnostik

    Therapie


    kausal
    konservativ
    1. Aufklärung über Risikofaktoren und Befunde
    2. Motivation zur Wahrnehmung von Risikofaktoren und Befunden
    3. Schulung zur Vorbeugung funktioneller Befunde
    4. Aktivierung zur Beseitigung der Risikofaktoren
    5. Training der funktionellen Befunde
    6. Kontrolle der erreichten Befunde
    operativ - (Der Rundrücken bzw. Kyphose, Die Hüftdysplasie)
symptomatisch
konservativ
  1. Aufklärung über strukturelle Befunde
  2. Motivation zur Vorbeugung einer Verschlechterung und Behandlung der strukturellen Befunde
  3. Schulung zur Mitbehandlung struktureller Befunde
  4. Aktivierung zur Beseitigung der funktionellen Befunde
  5. Training der funktionellen Befunde
  6. Kontrolle der erreichten Befunde
operativ
  • Behandlung von Sekundärschäden (erworbene Deformitäten und Arthrosen)

Komplikation

Literatur

  1. Bauer R, Kerschbaumer F (1992) Wirbelsäule und Brustkorb. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 663-7
  2. Debrunner HU, Hepp WR (1994) Orthopädisches Diagnostikum. 6. neubearb. und erw. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 62-106
  3. Krämer KL, Stock M, Winter M (1993) Klinikleitfaden Orthopädie. 2., erw. Aufl. Jungjohann, Neckarsulm
  4. Soyka M, Meholm D (2000) Physiotherapie bei Wirbelsäulenerkrankungen. Urban & Fischer, München Jena
  5. Wolff R Zilch H (1989) Haltung des Menschen. In Zilch H, Weber U (Hrsg.) Orthopädie mit Repetitorium. Walter de Gruyter, Berlin NewYork 17-9
  6. Zippel H (1996) Orthopädie systematisch. Uni-Med, Lorch 358-60
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben