Einführung in die Genetik

allgemeine Informationen für Kollegen


Synonym

  • Vererbungslehre

Definition

  • Wissenschaft von der Weitergabe der Merkmale eines Individuums durch sexuelle Fortpflanzung und Analyse einer vererbten Störung sowie ihre wahrscheinliche Voraussage

Voraussetzung


Begriffe
familiär
  • Häufung innerhalb der Nachkommen
angeboren
  • konnatal bzw. genuin (von Geburt an)
  • kongenital (veranlagt, aber nicht immer von Geburt an)
erblich
  • hereditär durch Erbanlage
Erbgang
monogen
  • durch Genmutation (Punktmutation)
  1. autosomal dominant
    • mischerbiger Genotyp manifest sich phänotypisch
    • Wahrscheinlichkeit für jedes Kind 50%
    • selten sporadische Neumutation
    • scheinbare Dominanz bzw. unvollständige Penetranz durch genetische und exogene Einflüsse mit quantitativer und qualitativer Veränderung
    • z.B. Dysplasia cleidocranialis Scheuthauer-Marie-Sainton, Dysplasia epiphysealis multiplex mit Typ Fairbank und Typ Ribbing-Müller, Dysplasia spondyloepiphysealis congenita et tarda, Dysplasia spondylometaphysealis Kozlowski, Dysplasia metaphysealis mit Typ Hansen, Schmid und Pena, Osteogenesis imperfecta mit Typ I (von der Hoeve) und Typ IV (Lobstein) , Osteopetrosis tarda Albers-Schönberg, Osteodysplasia diaphysealis mit Typ Camurati-Engelmann, Ribbing, Halliday und Joseph, Hyperostosis endostalis mit Pachydermie Uehlinger, Dysplasia exostotica multiplex Schinz, Neurofibromatosis von Recklinghausen, Akrozephalosyndaktylie Apert, Dysostosis craniofacialis Crouzon, Arthoosteoonychodysplasie Österreicher-Turner-Kieser-Fong, Dyschondrostose Léri-Weill mit Madelung-Deformität
  2. autosomal rezessiv
    • reinerbiger Genotyp manifest phänotypisch
    • je eine Anlage von Eltern
    • Wahrscheinlichkeit für jedes Kind 25%
    • z.B. Chondroagenesie, Dysplasia diastrophica, Dysplasia metaphysealis mit Typ McKusick, Osteogenesis imperfecta mit Typ II (Vrolik) und Typ III (Vrolik oder Lobstein) (Glasknochenkrankheit bzw. Osteogenesis imperfecta), Osteopetrosis congenita Albers-Schönberg, Osteodysplasia metaphysealis Pyle, Osteoektasie mit Hyperphosphatasie, Hyperostosis endostalis mit Typ Worth, Van Buchem, Fairbank und Bakwin-Eigner
  3. x-chromosomal-dominant
    • das weibliche Geschlecht ist Überträger (Konduktor)
    • nur das männliche Geschlecht erkrankt
    • z.B. Vitamin D resistente Rachitis, Phosphatdiabetes
  4. x-chromosomal-rezessiv
    • das weibliche Geschlecht ist Überträger (Konduktor)
    • Erkrankungen nicht geschlechtspezifisch a) z.B. Hämophilie A und B, Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) mit Typ V , progressive Muskeldystrophie Typ Duchenne und Becker-Kiener , Mucopolysaccharidose (MPS) mit Typ II (Hunter)
chromosomal
  • durch Chromosomenmutation bzw. -abberationen
  • meist mit geistiger Retardierung und multiplen Fehlbildungen
  1. numerisch
    • z.B. Trisomie 21 bzw. Down -Syndrom, XO- bzw. Ulrich-Turner-Syndrom, XXY- bzw. Klinefelder-Syndrom
  2. strukturell
    • phänotypisch gesundes Individuum ruft bei Paarung fehlerhafte Segregation un damit unbalancierte Karyotypen hervor
    • hier pränatale Diagnostik wichtig
multifaktoriell
  • Mehrheit der genuinen und kongenitalen Fehlbildungen durch kompliziertes Zusammenspiel endogener und exogener Ursachen mit Schwellenwerteffekt
  • häufige Geschlechtsbevorzugung, aber seltener betroffenes Geschlecht mit höherer Disposition und Wiederholungsrisiko
  • Wiederholungsrisiko korreliert mit Anzahl der erkrankten Verwandten und deren Schweregrad
  • häufig typische Verteilung in verschiedenen Population
  • z.B. dysraphisches Syndrom (Angeborene Erkrankungen der Wirbelsäule), Skoliose, kongenitale Hüftdysplasie bzw. CHD , Klumpfuß

Ziel

  • Unterscheidung von umweltbedingten und erblichen Faktoren für familiär gehäufte, angeboren bzw. erbliche Leiden und Herausflitern des sporadischen Falls

Indikation

  • V. a. eine angeborene Erkrankung des BS
  • familiäre Häufung
  • nachgewiesene hereditäre Erkrankung der Vorfahren

Methoden

Technik


Gendiagnostik
pränatal
  • Fruchtwasseranalyse
  • Chorionzottenbiopsie
postnatal
  • diverse Zellen
Genberatung
Gentherapie
somatisch
  • Krebs (Melanom, Leukämie, Lymphome, Plasmozytom, Mesotheliom, Neuroblastom, Gliobastom, Mamma-, Prostata-, Ovar-, Bronchial-, Nieren-, Kolon- und hepatozelluläres Karzinom)
  • primäre Immundefekte (PID)
  • Fanconi-Anämie
  • Hämophilie
  • Mukoviszidose
  • Mucopolysaccharidose Hunter
  • Morbus Gaucher
  • HLP
  • RA?
  • AIDS?
Keimbahn
  • noch in Deutschland verboten

Prognose

angenommen Erbgang Wiederholungsrisiko
autosomal dominant 
autosomal rezessiv25 %
x-chromosomalca. 35 %(Knaben)
chromosomalnicht pauschal
multifaktoriellca. 3 - 15 %

Literatur

  1. Walther JU, Murken J (1992) Genetische Beratung. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 312-21
  2. Zabel B (2003) Aufgaben der medizinischen Genetik. In Lentze MJ, Schaub J, Schulte FJ, Spranger J (Hrsg.) Pädiatrie. 2. überarb. und erw. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York Hongkong London Mailand Paris Tokio 251-3
  3. Zippel H (1996) Orthopädie systematisch. Uni-Med, Lorch 102-24
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben