
Das Gutachten
allgemeine Informationen für Kollegen
Definition
- schriftliche Sachverständigenaussage über die Leistungsfähigkeit nach klinischer Untersuchung sowie Studie medizinischer Unterlagen eines Patienten bzw. Versicherten durch einen berufenen approbierten Arzt (je nach bei gezielter Fragestellung durch eine Versicherung oder ein Gericht)
Voraussetzung
- Kompetenz, Erfahrung, Neutralität, Schweigepflicht des Arztes, Gutachters bzw. Sachverständigen
- Ausschluß von Ablehnungsgründen (Abwesenheit, Inkompetenz, Befangenheit, Verwandtschaftsgrad)
- gezielte Fragestellung bzw. Gutachtenauftrag
- Vorbereitung durch Studie bzw. Nachbestellen fehlender medizinischer Unterlagen (Radiologie-, Labor- und Biopsie-Befunde, Operations-, Behandlungsberichte bzw. Epikrisen,)
- je nach Notwendigkeit schriftliche Einladung des Patienten bzw. Versicherten und Aufklärung über Untersuchungs- bzw. Gutachtenablauf
- Überprüfung der Personalien des Versicherten
- Registrierung der Gehfähigkeit, Notwendigkeit von Gehhilfen bzw. Hilfsmitteln und Begleitpersonen sowie der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, Fremd- oder eigenes Fahrzeug
- Entkleidung des Versicherten je nach Untersuchungsablauf
- klinische Untersuchung unter Nutzung von Hilfsmitteln und visuellen, akustischen sowie taktilen Fähigkeiten (Untersuchungsbefund)
Arten
- Attest (zur Sportbefreiung, bei Arbeitsunfähigkeit (AU), zur Erlangung von Krankengeld, zur Vorlage beim Versorgungsamt bei Schwerbehinderung (GdB)
- Formulargutachten (bei Berufsunfähigkeit (BU), bei Minderung der Erwerbstätigkeit (MdE) als erstes oder zweites Rentengutachten, bei Invalidität als privates Unfallgutachten)
- Zusatzgutachten (bei Gutachten anderer Fachrichtungen, nur Studie von medizinischen Unterlagen)
- freies Gutachten (als Zusammenhangsgutachten, wissenschaftliche Gerichtsgutachten sowie bei Erwerbsunfähigkeit (EU)
Aufbau
- schriftliche Dokumentation
- immer in Nationalsprache und wenig Latein
- Reihenfolge beachten (Auftraggeber, Versicherter, Ort, Zeitpunkt, Anamnese sowie Befunde)
- Formulierung einer Diagnose als Zustand nach…, Folge von… oder …leiden
Beurteilung
- subjektive Klagen des Versicherten oder Klägers
- objektiver klinischer und paraklinischer Befund mit Funktionseinschränkung
- Zusammenfassung
- Wahrscheinlichkeit von Zusammenhängen und Kausalitäten
- Fähigkeit zur Ausübung einer sportlichen oder beruflichen Tätigkeit
- Prognose über Folgen und Restschäden
- Vorschlag für weiteres Vorgehen
Versicherungen
- gesetzliche (GUV) und private (PUV) Unfallversicherung
- gesetzliche, private, freiwillige und zusätzliche Krankenversicherung
- Pflegeversicherung
- gesetzliche und private Rentenversicherung
- Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherung
- Arbeitslosenversicherung
- private, Berufs- und Kfz-Haftpflichtversicherung
Literatur
- Krämer KL, Stock, M, Winter M (1993) Klinikleitfaden Orthopädie. 2. erw. Aufl. Jungjohann, Neckarsulm 83-93
- Mollowitz GG (1998) Der Unfallmann. 12. überarb. und erw. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg NewYork
- Rompe G (1992) Begutachtung. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 93-8
- Rompe G, Erlenkämper A (1998) Begutachtung der Haltungs- und Bewegungsorgane. Georg Thieme, Stuttgart NewYork






