Wundbehandlung und -verschluß
allgemeine Informationen für Kollegen
Ziel
- narbenlose Wundheilung durch Wundverschluß (sanatio per primam/ restitutio ad integrum sive sanatio per sekundam/ restitutio ad optimum)
- Vorbeugung (Prophylaxe) weiterer Schädigungen von außen (Schutz und Ruhigstellung durch Lagerung, Wundverschluß bzw. -verband) sowie von innen (Durchblutung, Nährstoffe, Abwehr) und Eintreten von Komplikationen
Technik
vorläufige Wundbehandlung
endgültige Wundbehandlung
kontaminationsarme Wunden
- Inspektion
- evtl. Röntgen zum Ausschluß osteoarthrogener Beteiligung und Fremdkörper
- chirurgische Wundbehandlung nach Friedrich (1889) (Palpation, Säuberung (evtl. Entfernung von Fremdkörpern), Spülung mit physiologischer Kochsalz(NaCl)-Lösung, evtl. Ligatur bzw. Naht (s.u.) von Organen, Faszien, Kapseln, Sehnen, Gefäßen und Nerven, evtl. Drainage (Redon o.ä.)
- evtl. Ausschneiden mit Skalpell (außer Gesicht und Hand)
- außer bei nicht verschließbaren Wunden Adaptation durch Primärnaht
- bei indizierter jedoch unmöglicher Adaptation dynamische Naht (evtl. als Rückstichnaht über Silikonschlauch) mit oder ohne feuchte Abdeckung mit speziellem Verband oder Gaze bzw. sofortige plastische Wunddeckung (z.B. Verschiebelappen)
- evtl. Knoten der gelegten Naht am 3.-5. Tag oder Behandlung nach Iselin mit feuchter Wundbehandlung und Sekundärnaht bei ausreichender Granulation
- Verband und Ruhigstellung
- Wundkontrolle nach spätestens 24h
kontaminierten Wunden
- Wunden durch Tier- und Menschenbisse, Insektenstiche und Schüsse, in Land- und Forstwirtschaft, Tier- und Fischverarbeitung sowie Medizin
- Inspektion
- evtl. Röntgen
- offene Wundbehandlung (Palpation, Säuberung (evtl. Entfernung von Fremdkörpern), Spülung mit physiologischer Kochsalz(NaCl)-Lösung, evtl. Ligatur bzw. Naht von Organen, Faszien, Kapseln, Sehnen, Gefäßen und Nerven, evtl. Drainage (Redon o.ä.)), Ausschneiden (außer Gesicht und Hand), Situationsnaht bei Gesicht und Hand
- Verband, Ruhigstellung, systemische Antibiose und evtl. Sekundärnaht
zum Wundverschluß bzw. Naht
Historie
- seit 600 v. Chr. durch indischen Arzt Susruta Wundverschluß mit Ameisen
- 1908 erster Klammer-Apparat durch Hültl
- 1924 Klammer-Apparat durch Aladar von Petz
Voraussetzung
Steristrip
- in unterschiedliche Längen und Breiten
Klammern
- Stahl, Klammer-Apparat und -Entferner
Faden
- nichtresorbierbar
- synthetisch
- monofil (Polyamid bzw. Ethilon®, Polypropylen bzw. Prolene®, Miralene®, Seralon®)
- pseudomonofil mit Beschichtung (Polyester bzw. Ethibond®), schlauchartigem Überzug (Polyamid bzw. Suturamid®) bzw. spezieller Flechttechnik (Polyester bzw. Mersylene®)
- und Polyamid bzw. Nurolon®
- natürlich
- Metalle
- Platin, Silber, Aluminium-Bronze, Tantal, Chrom-Nickel-Eisen nach Art des V2A-Stahl
- resorbierbar
- synthetisch
- monofil (Polydioxanon bzw. PDS®)
- geflocheten (Glycolid/Lactid bzw. Dexon®, Polydioxanon bzw. PDS-Kordel®)
- pseudomonofil mit Beschichtung (Glycolid/Lactid bzw. Vicryl® oder Vicryl® rapid)
- natürlich
- Kollagen bzw. Catgut plain® oder chromic®
- in unterschiedlichen Stärken (Norm nach Europäischer Pharmakopoe bzw. EP (metrisch bzw. in mm) oder nach United States Pharmakopoe bzw. USP (von 6 über 1, 0 und 1-0 bis 12-0))
Nadeln
- selten gerade (G)
- meist gebogen (1/4- (V), 3/8- (D), 1/2- (H) oder 5/8 Kreis (F))
- mit Loch- oder Federöhr bzw. ohne Öse (atraumatisch, mit Sollbruchstelle Atraloc®)
- stumpf oder schneidend
- runder (R) oder dreieckiger Querschnitt bzw. schneidend (S), als Trockar (T), Spatel (SP) oder Lanzette (L)
- in unterschiedlichen Längen
Naht
- Einzelknopfnaht
- U-Naht
- Rückstichnaht (nach Donati oder Allgöwer)
- fortlaufende Naht (u-förmig, überwendlich und durchschlungen)
- Intrakutannaht
Knoten
- einfacher Knoten
- überschlungener oder Rutschknoten
- Schifferknoten
- Weiberknoten
- chirurgischer Knoten
Methoden
- Hautnaht
- Muskelnaht
- Fasziennaht
- Sehnennaht
- Gefäßnaht
- Nervennaht
Komplikation
Literatur
- Engelhardt GH (1991) Wunden. In Engelhardt GH (Hrsg.) Unfallheilkunde für die Praxis. 2. Aufl. Walter de Gruyter, Berlin NewYork 41-2
- Marzi I, Mutschler W(1999) Pathophysiologie des Traumas. In Mutschler W, Haas NP (Hrsg.) Praxis der Unfallchirurgie. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 18-24
- Müller M (1994) Chirurgie. 2. Aufl. Med. Verlags- und Informationsdienst, Breisach 1-2
- Müller-Lange P, Hasse FM (1995) Klinikleitfaden Chirurgie. Jungjohann, Neckarsulm Stuttgart
- Pschyrembel W (1986) Klinisches Wörterbuch. 255., völlig überarb. und stark erw. Aufl. Walter de Gruyter, Berlin NewYork 215-6
- Reifferscheid M (1989) Die Lehre von der Wunde. In Reifferscheid M, Weller S (Hrsg.) Chirurgie. 8. neubearb. und erw. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart New York 28-40
- Schmitt W (1979) Allgemein Chirurgie. 9. Aufl. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 249-330