Einführung in rheumatische Erkrankungen

allgemeine Informationen für Patienten


  • Rheuma bedeutet übersetzt "Fluss" und beschreibt im ganzen Körper fließende bzw. an mehreren Orten vorkommende Schmerzen. Es handelt sich hierbei um Beschwerden im Bindegewebe, welches alle "Organe" miteinander verbindet und praktisch überall im Körper vorkommt.
  • Je nach Charakter (Ursache bzw. Ort und Begleitsymptome) des Rheumas unterscheidet man so genanntes echtes Gelenkrheuma bzw. entzündliches Rheuma von "ausgebranntem" bzw. unechtem Gelenkrheuma bei Arthrose (Gelenkverschleiß bzw. Arthrose) und Übersäuerung bzw. Weichteilrheuma außerhalb der Gelenke bzw. extraartikuläres Rheuma (Die Fibromyalgie). Zu letzterem werden nahezu alle Beschwerden gezählt, die aufgrund von unauffälligen Untersuchungen wie Labor, Ultraschall-Untersuchung, Röntgen usw. nicht zum Gelenkrheuma gehören und eher der Schmerzkrankheit zugeordnet werden.
  • Nahezu jeder Mensch kann früher oder später für kurz oder lang (bzw. für immer) an einem Rheuma leiden. Entweder ist die Veranlagung vererbt (familiäre Häufung) oder durch irgendeinen Stressfaktor (von Geburt, über Verdauungsstörungen mit gestörter Symbiose bzw. Darmflora (Die Dysbiose), einer Allergie akuten, unbemerkten bzw. unerkannten oder chronischen Infektionen mit Bakterien, Viren, Pilzen und anderen Mikroorganismen an Zähnen, Mandeln, Nasennebenhöhlen, Magen, Galle, Darm und Unterleib, jede Narbe (Das Störfeld) sowie Störungen des Stoffwechsels (Die Nahrungsmittelunverträglichkeit und -intoleranz, Verdauungsstörungen)) provoziert.
  • So kommt es, dass Rheuma schon im Kindesalter (infantiles oder juveniles Rheuma) bzw. erst im hohen Alter (Altersrheuma) auftreten kann.
  • Da lediglich Muskel- (Muskelschwäche bzw. Myopathie), und Knochenschwund bei allen Formen vorkommen kann, sind auch nur Muskel- und Knochenaufbau (medizinisches Krafttraining bzw. Trainingstherapie, Osteoporosemittel) gleich.
  • Alle anderen Symptome wie Schwellung, Entzündung, spontane Risse, Verformungen, Versteifungen, Beteiligung von Haut, Gelenken, Gefäßen, Nerven und inneren Organen sind individuell sehr unterschiedlich und nicht "standardisiert" zu behandeln (Glucocorticoide bzw. Kortison). Hier sollten praktische, Haus- und Fachärzte mit Therapeuten, Ernährungsberatern und Heilpraktikern im Rahmen von Pharmakotherapie, Operationen, Physiotherapie und Naturheilverfahren zusammenarbeiten.

spezielle Informationen für Kollegen


Synonym

  • Erkrankungen des Rheumatischen Formenkreises

ICD-10

  • M02-03 (reaktiv und postinfektiös)
  • M05 (RA)
  • M06-07 (seronegativ)
  • M08-09 (juvenil)
  • M10 (Gicht)
  • M11-14 (sonstige Arthropathien)
  • M15-19 (Arthrose)
  • M30 (Panarteritis nodosa)
  • M31 (Vaskulitis)
  • M32 (Lupus)
  • M33 (Dermatomyositis)
  • M34 (Sklerodermie)
  • M35-36 (sonstige Kollagenosen)

Definition

  • zahlreiche Erkrankungen mit fließendem Schmerzcharakter durch Beteiligung des Bindegewebes und bevorzugtem Befall der Gelenke (Schattenkirchner 1986, Niethard und Pfeil 1992, Zippel 1996)

Einteilung


entzündlicher Rheumatismus bzw. ENR

  1. Rheumatoide Arthritis (RA) und ihren Sonderformen (Das Rheuma)
  2. seronegative Spond(yl)arthropathien bzw. -itiden (Spondylitis ancylosans Strümpell-Bechterew-Marie (seronegative Erkrankungen), Psoriasis und Akne assozierten Arthropathie mit SAPHO-Syndrom, Arthritis bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CEDE) und Lipodystrophia Whipple, posturethritische Arthritiden (Sonderform: Reiter-Syndrom mit Arthritis, Uveitis, Urethritis bzw. Spondylitis als Fissinger-LeRoy-Reiter-Syndrom), postenteritische Arthritiden (Yersinien, Campylo- oder Helicobacter u.a.), infektassoziierte Arthritiden (Lyme-Arthritis, rheumatisches Fieber u.a.), reaktiven Arthritiden (Bakterien, Viren etc.) und undifferenzierte Spond(yl)arthritiden
  3. Kollagenosen (Sjögren-Syndrom, systemischer Lupus erythrematodes (SLE), progressive systemische Sklerose (PSS) bzw. Sklerodermie mit CREST-Syndrom, eosinophiler Fascitis Shulman und Pseudosklerodermie, Poly-Dermatomyositis sowie Überlappungssyndrom bzw. mixted connective tissue disease (MCTD)) und Vaskulitiden (Panarteritis nodosa, Wegener-Klinger-Granulomatose, Churg-Strauss-Syndrom, Polymyalgia rheumatica bzw. Arteritis temporalis Horton-Magath-Brown, Purpura Schönlein-Hennoch, Takayasu-Arteriitis, Kawasaki-Syndrom, Raynaud-Syndrom und Behcet-Syndrom) (Schattenkirchner 1986, Niethard und Pfeil 1992, Bitsch 1995, Hammer und Wollenhaupt 1995, Huppertz 1995, Georgi 1996)

degenerativer Rheumatismus bzw. DER


extraartikulärer Rheumatismus bzw. EXR


Häufigkeit

  • hohe Dunkelziffer

Ätiologie

  • nicht genau geklärt

Pathogenese

Lokalisation

  • nahezu alle artikuläre (Synovialis, Kapsel und Bänder) und extraartikuläre Strukturen (Knochen, Muskeln, Faszien, Sehnen, Sehnenscheiden und Schleimbeuteln) sowie Gefäße der Haut, Organe und Nerven

Klinik

  • von Mon-, Oligo- und Polyarthritis, über Mon-, Oligo- und Polyarthrose zu Periarthropathien mit Mono-, Oligo- und Poly-ostitiden, -myositiden, -tenditiden, tendovaginitiden, -bursitiden, -dermatitiden, -serositiden, -neuritiden und -vaskulitiden

Diagnostik

Anamnese
JA
  • akuter oder chronischer Schmerz mit Morgensteifigkeit
EA
  • frühere Infektionen mit auslösenden Agenzien, symmetrischer Gelenkbefall
FA
AA
  • immunologische Begleitsymptome
Status
  • mono-, symmetrisch oligo- oder polyartikulär bzw. extraartikulär
Labor
Serum
  • BSG (unspezifisch für ENR und EXR)
  • CrP (nicht erhöht bei DER)
  • BB bzw. Diff-BB (zur Therapieüberwachung und Ausschlussdiagnostik)
  • E-Phorese (Ausschlussdiagnostik)
  • Immunfixation
  • Immunglobuline IgA, IgM, IgG und IgE
  • Komplementfaktoren C3 und C4
  • Immunkomplexe (gering spezifisch für Kollagenosen)
  • AST (Ausschluß seronegativer ENR)
  • AK gegen Yersinien, Campylobacter, Salmonellen, Shigellen, Chlamydien, Borrelien und Brucellen)
  • RF (unspezifisch für seropositiven ENR)
  • HLA (z.B. B27 bei seronegativer SA, B5 bei Morbus Behcet, CW6 bei Psoriasisarthropathie, DR1, DR4 und DW14 bei RA, DR2 und DR3 bei SLE und Sjögren-Syndrom)
  • ANA bzw. ANA-Profil (bei Kollagenosen)
  • citrullierendes Protein bzw. CIP
  • Fe und Cu
Biopsie Radiologie
Röntgen CT MRT bzw. KST Szintigraphie Elektrophysiologie
EMG

Therapie

  • "Eine kausale Therapie ist nicht bekannt und eine Heilung praktisch nie möglich." (Debrunner 1994)
  • Zu jeder Zeit bieten sich medikamentöse und physikalische Maßnahmen zur Linderung entzündungsbedingter Symptome und Prophylaxe sekundärer Komplikationen nach dem Grundsatz "primum nil nocere" an (Hirsch 1996).
Pharmakotherapie physikalische Therapie Operationen
Naturheilverfahren

Literatur

  1. Bitsch T (1995) Klinikleitfaden Rheumatologie. Jungjohann, Neckarsulm Lübeck Ulm
  2. Debrunner AM (1995) Orthopädie. 3. vollst. überarb. Aufl. Hans Huber, Bern Göttingen Toronto Seattle 414
  3. Gräfenstein K (1996) Therapie rheumatischer Erkrankungen. Ecomed, Landsberg
  4. Hirsch H (1996) Physikalische Therapie. In Gräfenstein K (Hrsg.) Therapie rheumatischer Erkrankungen. Ecomed, Landsberg 91-124
  5. Miehle W (1999) Rheumatoide Arthritis. Georg Thieme, Stuttgart NewYork
  6. Miehle W (1999) Rheuma - ein Patientenlehrbuch. Rheumamed, Neubeuern
  7. Niethard FH, Pfeil J (1992) Orthopädie. 2. überarb. und erw. Aufl. Hippokrates, Stuttgart 173-4
  8. Schattenkirchner M (1992) Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. In Jäger M, Wirth CJ (Hrsg.) Praxis der Orthopädie. 2. neubearb. Aufl. Georg Thieme, Stuttgart NewYork 524-5
  9. Zippel H (1996) Orthopädie systematisch. Uni-Med, Lorch 218
    © 2007 - Dr. med. F. Uwe Günter   nach oben