
Die Neural- bzw. Narbentherapie
allgemeine Informationen für Patienten
- Die Neural- bzw. Narbentherapie (NT) ist eine Untersuchungs- und Behandlungs-Methode mit Einsatz von örtlichen Betäubungsmitteln (meist Procain) zur Erkennung und Behandlung von funktionellen Störungen im gesamten Körper und ergänzt somit die Schulmedizin. Ihr Ziel ist es, unklare Beschwerden, welche von nicht verheilten Erkrankungen und Narben (Das Störfeld) ausgehen, herauszufinden bzw. zu behandeln. Über das Nervensystem (daher der Begriff der Neuraltherapie) werden zahlreiche Impulse (nicht nur Schmerz) von Störfeldern an andere Zellen, Gewebe und Organe übertragen. Dies führt zu Fehlsteuerungen bzw. Verspannungen bestimmter Muskeln (v.a. glatte Muskeln von Drüsen und Darm sowie Muskeln der Wirbelsäule). Für fast alle Beschwerden, die nicht direkt auf Unfälle zurückzuführen sind, sondern auf Störfelder nach durchgemachten HNO-Erkrankungen (zu 50-70% Entzündungen der Mandeln und Nasennebenhöhlen), Zahnbehandlungen (v.a. Wurzelfüllungen bzw. -spitzenresektionen) usw. und zu 30-50% Unterleibsstörungen funktioneller Art (Migräne, Regelzyklusbeschwerden, Entzündungen der Vorsteherdrüse, Eierstöcke und Eileiter, Geburtsnarben) und Operationsnarben) kann das zutreffen.
- Nach ausführlicher Erhebung der Krankengeschichte und Untersuchung nach funktionellen Gesichtspunkten (mit Techniken der Chirotherapie, Osteopathie, Akupunktur, applied kinesiology und anderen bioenergetischen Methoden) wird nach Ausschluß einer Gerinnungsstörung bei Blutern, Allergien gegen Procain, entsprechender Aufklärung und Lagerung eine Quaddel in die Haut (Reflexzone) oder "Spritze" ins Gewebe bzw. an Nerven, Gefäße und Organe mittels Procain gesetzt.
- Danach werden die Sofortreaktion, welche schon in der Sekunde des "Spritzens" (Sekundenphänomen) aber auch erst nach mehreren Sitzungen bzw. Tagen auftreten kann, abgewartet und kontrolliert. Diese können natürlich nicht vorhergesagt werden und sind sehr unterschiedlich (meist vegetative Reaktionen wie Wärmegefühl, Schwindel, aber auch sofortiger Beschwerderückgang). Selten kommen paradoxe Reaktionen mit kurzzeitiger Erstverschlechterung der Beschwerden, welche innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Sitzung auftreten und wieder verschwinden, vor. Für ca. 30 min besteht bei Anwendung von Procain Fahruntüchtigkeit.
- Die NT ist nicht mit der therapeutischen Lokalanästhesie zu verwechseln. Im Gegensatz zur TLA, die von der Kasse unter Angabe der Region nur noch pauschal übernommen werden, ist die NT eine private bzw. individuelle Gesundheisleistung (IGeL).
spezielle Informationen für Kollegen
Synonym
- lokalanästhetische Regulationstherapie, Heilanästhesie bzw. Procaintherapie
Definition
- nach Bergsmann Methode mit diagnostisch-therapeutischen Einsatz von Lokalanästhetika zur Behandlung von funktionellen Störungen reversibler Natur (Badtke und Mudra 1998)
Voraussetzung
Kenntnisse
Nozizeption
- Schmerz
- sensible Afferenzen mit bis zu 100 Millionen Informationen pro Sekunde (108 BIT) sowie Reaktion über motorische Efferenzen nur bis zu 1000 Informationen pro Sekunde (103 BIT)
- zelluläre Ebene (humorale und nervale Wirkungen auf Muskel- und Drüsenzelle)
- spinale Ebene (einfache Reflexe)
- medulläre Ebene (Atmung und Kreislauf)
- diencephale Ebene (Hormonsystem)
- kortikale Ebene
- in Form eines bipolaren Synergismus mit Rhythmik
- Muskel
- monotone Reaktion
Lagerung
Lokalanästhetika Geräte und Injektionsbesteck
- Procain
- Betäubungsmittel
- Spritzen mit Steckverschluß (2 und 5 ml)
- Spritzen mit Schraubverschluß (z.B. 5 ml Omnifix®)
- so genannte Insulin-Spritze 1ml
- Kanülen
Ziel
- ergänzende Diagnostik, Differentialdiagnostik und Therapie eines Schmerzes und seiner Begleitumstände, einer Regulationsstörung bzw. eines Störfeldes bzw. -herdes
Indikation
- nicht traumatische Dysalgesie (Der Schmerz)
- neuroanatomisch nicht erklärbare Dysästhesien (Gefühlsstörung) ohne klare Minus-Symptomatik (Reflex, Kraft, Sensibilität)
- funktionelle bzw. neuroanatomisch nicht erklärbare Dyskinesie (Muskelstörung) ohne Anhalt für Plegie
- funktionelle Dyskrasie (Hormonstörung) ohne Paraklinik
- relative (nicht mangelbedingte) bzw. regionale Dystrophie (Ernährungsstörung) ohne neurovaskuläre Klinik
Kontraindikation
absolut- Gerinnungsanomalie (Quick <50%)
- nachgewiesene Allergie gegen Procain (hier Quadrantentest nach Mudra mgl.)
- körperliche Mangelzustände mit notwendiger Substitution (Sepsis, Schock, Kachexie)
- Therapie mit Psychopharmaka, β-Blockern, Kortikoiden u.a. "Anti"-Medikamenten sowie Radiatio
- narbige Endzustände (z.B. Hirn-, Leber- und Nierendekompensation)
- Regulationsstarre
Technik
lokal
- bei reflektorisch-algetischen Veränderungen (Sachse und Schildt) wie Schwiele (Froriep), Bindegewebszone (Leube und Dicke), Hyperästhesien bzw. -algesien (Head), Schmerzpunkte (z.B. nach Lanz, McBurney, Boas, Valleix, Vogler, Weihe), paramediane Schmerzpunkte (Maigne), bzw. Irritationspunkte (Sell, Bischoff und Neumann, Dvorak) i.S. von tenderpoints, (Myo)Gelosen, muskulären Hypertonien (Mackenzie), Maximal-, Ashi- bzw. Akupunktur-Punkte in Unterhaut, Faszie, Muskulatur, Sehnenscheide, Sehne, Bursa, Kapsel oder Periost ohne Ausstrahlung oder triggerpoints bzw. myofaziale Reaktionspunkte (Travell und Simmons)
- lokale Region dorsal, lateral und/oder ventral mit segmentaler Zuordnung (vgl. mit Ausstrahlung (referred pain) in Referenz-Zone nach Head etc.)
- Nerv, Plexus bzw. Ganglion
- Gefäße
einfach
- Nerv, Plexus bzw. Radix (N. spinalis)
- Grenzstrang
- Ganglion
- Nabel
- Tonsillen
- NNH
- Zähne
- Unterleib bzw. Visceralorgane
- jede Narbe in Haut, Unterhaut, Faszie, Muskulatur, Sehnenscheide, Sehne, Bursa, Kapsel, Periost
- i.v.
- Schilddrüse
Methoden
| Technik | Spritze (Volumen mit Procain 1%) | Kanüle (Länge x Durchmesser) | |
|---|---|---|---|
| reflektorisch-algetische Zeichen (i.c., submukös, s.c. oder i.m.) | |||
| Narben einschl. air-block | 1-20 (+3-9 Luft) | 40-70 | 0,4-0,9 |
| lokus dolenti Quaddel (auch als Neuralakupunktur oder Homöosiniatrie mit Homöopathika/Phytotherapeutika in Akupunktur-Punkte | Tröpfchen-1 (+ Homöopathikum) | 20 | 0,4-0,6 |
| Dornenkranz nach Hopfer | 8 x 0,5-1 | 20 | 0,4 |
| Tonsillen und Sinus frontales, ethmoidales et maxillares | Tröpfchen-1 | 50-80 | 0,5-0,65 |
| Zähne | Tröpfchen | 20-80 (ggf. angebogen) | 0,4-0,65 |
| Sinus sphenoidalis/Hypophyse | Tröpfchen-0,5 | 60-80 (gebogen) | 0,6-0,65 |
| Insertionen am Bewegungsapparat (peri- bzw. paratendinös, -bursal, -kapsulär bzw. -periostal) | |||
| je nach Lage und Topographie | 1-5 | 20-120 | 0,4-0,8 |
| Gelenke (peri- bzw. pararticulär) | |||
| je nach Topographie | 1-20 | 20-120 | 0,4-0,8 |
| Gefäße (intra- oder peri- bzw. paravaskulär) | |||
| V. brachialis nach jeder nicht lokalen Therapie | 5 (-EMD!) | 20 | 0,4 |
| Artt. brachialis, radialis, ulnaris, tibiales, dorsalis pedis u.a. kleinere Artt. | 2-5 (sehr langsam) | 40 | 0,4 |
| Artt. subclaviae und femoralis | 3-5 (-10?) | 50-60 | 0,5-0,6 |
| Artt. temp. superf., carotis und vertebralis (nur paraarteriell, Kanüle um 180° drehen) | 1-3 | 40 | 0,4 |
| Nerven bzw. Plexus (perineural oder epidural) - eine Auswahl | |||
| Nn. digitales nach Oberst | 0,5-1 | 20-40 | 0,4 |
| N. ulnaris, medianus, radialis und Äste | 0,5-1 | 20-60 | 0,4-0,6 |
| alle Äste des N. trigeminus (frontalis, nasociliaris, lacrimalis, alveolaris, infraorbitalis, mentalis etc.) | 0,5 | 20 | 0,4 |
| N. accessorius | 1-2 | 40-50 | 0,4-0,5 |
| Nn. occipitales minor et major | 1-2 | 40-50 | 0,4-0,5 |
| N. suprascapularis | 2-4 | 40-60 | 0,4-0,6 |
| N. laryngeus superior | 1-3 | 40-60 | 0,4-0,6 |
| N. spinalis nach Fervers und Shaw | 3-5 | 60-80 | 0,6-0,65 |
| Nn. sacralia | 2-5 | 60 | 0,6 |
| N. cutaneus femoris lateralis | 5 | 50-80 | 0,5-0,65 |
| N. ischiadicus | 5-10 | 60-120 | 0,6-0,8 |
| N. obturatorius | 3-5 | 60-120 | 0.6-0,8 |
| N. pudendus | 3-4 | 60-80 | 0,6-0,65 |
| Grenzstrang bzw. indirekt nach Mink | je Segment je 1 bds. | 40-60 | 0,5-0,6 |
| Hiatus sacralis bzw. "Epidurale" oder "Episacrale" | 5-20 | 70 | 0,90 |
| Plexus lumbalis | 3-5 | 60-80 | 0,6-0,65 |
| Plexus vasa uterina et ovarica (Plica lata) suprabubisch nach Becke | Tröpfchen-1 | 60-80 | 0,6-0,65 |
| Plexus perinealis/prostaticus suprapubisch nachHuneke und Dosch | 1,5-2 | 60-80 | 0,6-0,65 |
| Plexus prostaticus transperineal | 2 | 80-120 | 0,65-0,8 |
| Plexus uterovaginalis Frankenhäuser transvaginal | 2-10 | 60-120 | 0,6-0,8 |
| Ganglien (perineural) | |||
| Ggl. ciliare | 1-2 | 40 | 0,4 |
| Ggl. spheno-pterygo-palatinum nach Göbel oder Schirmohammadi | 2 | 60 | 0,6 |
| Ggl. oticum | 2 | 60 | 0,6 |
| Ggl. cervicale superius (cave: Gefäße) | Tröpfchen -1,5 | 20 | 0,4 |
| Ggl. stellatum nach Leriché, La Fontaine und Dosch | Tröpfchen 2-3 | 20 | 0,4 |
| Ggl. coeliacum nach Barop | 2-3 | 80-120 | 0,6-0,8 |
| Ggl. impar | 2 | 60 (gebogen) | 0,6 |
| Organe (intraparenchymatös) | |||
| Schilddrüse | je 0,5 bds. | 20-40 | 0,4 |
Literatur
- Badtke G, Mudra I (1998) Neuraltherapie. 2., vollst. überarb. und erw. Aufl. Ullstein Medical, Wiesbaden
- Becke H (1991) Neuraltherapie bei Kreuzschmerz und Migräne. Hippokrates, Stuttgart
- Bergsmann O, Bergsmann R (1993) Einfache Neuraltherapie für die Tägliche Praxis. 3. unveränd. Aufl. Facultas, Wien
- Dosch P (1995) Lehrbuch der Neuraltherapie nach Huneke. 14. erw. Aufl. Haug, Heidelberg
- Dosch P (2002) Wissenswertes zur Neuraltherapie nach Huneke. 23. überarb. Aufl. Haug, Heidelberg
- Fischer L (2001) Neuraltherapie nach Huneke. 2. überarb. Aufl. Hippokrates, Stuttgart







